WM-Rückblick Zagreb 2025: Die Athleten der Swiss Wrestling Federation mit starken Kämpfen und einer klarer Steigerung

Vom 13. bis 21. September 2025 standen in Zagreb die Weltmeisterschaften  auf dem Programm. Die Schweiz trat mit acht Athleten in beiden Stilarten an – begleitet von den Trainern Gergely Gyurits (Freistil) und Alain Hassli (Griechisch-Römisch), Physiotherapeutin Sarah Holzmann und Kampfrichter Sven Ewert.

Einzelresultate der Schweizer

Drei Top-10-Resultate

  • Ramon Betschart (82 kg, GR): 3 Siege, Rang 5
  • Samuel Scherrer (92 kg, FS): 2 Siege, Rang 7
  • Michael Portmann (72 kg, GR): 2 Siege, Rang 9 (Top-10-Platzierung)

Die weiteren Rangierungen

  • Andreas Vetsch (67 kg, GR): 2 Siege, Rang 11
  • Damian von Euw (87 kg, GR): 1 Sieg, Rang 14
  • Thomas Epp (57 kg, FS): 0 Siege, Rang 26
  • Nils Leutert (61 kg, FS): 0 Siege, Rang 24
  • Nino Leutert (65 kg, FS): 0 Siege, Rang 32

Gesamtbilanz: 10 Siege, 10 Niederlagen, 8 Athleten.

Glanzpunkte und Geschichten

Besonders nah an die Medaillen schaffte es Ramon Betschart. Er kämpfte sich mit drei Siegen bis ins kleine Finale vor und verpasste den Sprung auf  das Podest nur knapp. Rang fünf bedeutete zugleich den Schlusspunkt seiner internationalen Karriere: „Platz fünf ist ein undankbares Resultat, aber jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, so der Rheintaler, der im Oktober seine Polizeiausbildung beginnt.

Samuel Scherrer bestätigte mit Platz sieben in der Freistil-Klasse bis 92 kg seine Weltklasse. Trotz einer Operation im Sommer konnte er zwei Siege feiern und blieb damit nur knapp hinter den Medaillenrängen. „Es hat mir gezeigt, dass die Medaillen nicht weit weg sind.“

Ein echtes Ausrufezeichen setzte Michael Portmann. Der 24-Jährige aus Willisau erreichte in der 72-kg-Klasse mit zwei Siegen den 9. Rang – und schlug dabei gleich zwei absolute Top-Athleten: den japanischen Weltmeister von 2022 sowie den türkischen Europameister von 2024. Damit feierte er das beste internationale Resultat seiner Karriere und bewies, dass er auch auf höchstem Niveau bestehen kann.

Auch Andreas Vetsch (Rang 11) und Damian von Euw (Rang 14) trugen mit Siegen zu einer ausgeglichenen Gesamtbilanz bei. Für die jüngeren Freistiler Epp und die Brüder Leutert war die WM dagegen vor allem ein Lehrstück gegen die Weltspitze.

Stimmen aus dem Team

Nationaltrainer Alain Hassli lobte die Entwicklung: „Die Stimmung im Team war durchweg positiv. Man spürt, wie die Athleten enger zusammenrücken und an Reife gewinnen.“
Nationaltrainer Gergely Gyurits unterstrich die Bedeutung internationaler Vergleiche: „Von 40 möglichen Medaillen gingen nur 12 nach Europa – Asien und die USA dominieren. Aber unsere Jungs sind nah dran. Entscheidend wird sein, noch mehr internationale Trainingsreize zu setzen.“

Mehrjahresvergleich

Die nackten Zahlen zeigen den Fortschritt deutlich:

  • 2018: 2 Athleten – 1 Sieg
  • 2019: 6 Athleten – 6 Siege
  • 2020: 5 Athleten – 1 Sieg
  • 2021: 1 Athlet – 0 Siege
  • 2022: 7 Athleten – 4 Siege
  • 2023: 9 Athleten – 1 Sieg
  • 2024: 4 Athleten – 3 Siege
  • 2025: 8 Athleten – 10 Siege

Noch nie in den vergangenen Jahren gelangen den Schweizern so viele Siege bei einer WM wie in Zagreb 2025.

Fazit

Die Schweiz reist ohne Edelmetall aus Zagreb ab, aber mit einem deutlichen Fortschritt: zehn Siege, vier Top-15-Platzierungen und ein klares Signal, dass man den Anschluss an die Weltspitze Schritt für Schritt schafft. Die Mischung aus erfahrenen Routiniers und aufstrebenden Talenten stimmt – und mit Kämpfen wie jenen von Michael Portmann gegen ehemalige Welt- und Europameister zeigt das Team, dass es jederzeit für Überraschungen sorgen kann.

Auch Sportchef Oliver Hassler unterstreicht dieses positive Fazit: „Die Weltmeisterschaften verliefen für Swiss Wrestling sehr positiv. Unsere Athletinnen und Athleten haben Siege gegen sehr starke Gegner gefeiert und gezeigt, dass sie mit der Weltspitze mithalten können. Besonders stolz sind wir auf Ramon Betschart, der mit Rang 5 nur knapp eine Medaille verpasst hat. Mit acht Teilnehmern und einer Gesamtbilanz von 10 Siegen bei 10 Niederlagen haben wir seit 2018 erstmals an einem Grossereignis wieder eine positive Wettkampfbilanz erreicht. “

Mit einigen Tagen Abstand konnten wir mit vier Hauptakteuren dieser denkwürdigen Weltmeisterschaften noch persönliche Gespräche führen:

Ramon Betschart: „Ein undankbarer fünfter Platz – aber ein neuer Lebensabschnitt beginnt“

Im ersten Kampf lief für Ramon Betschart zunächst nicht alles nach Plan. „Eigentlich wollte ich selbst die erste Bodenlage erzwingen“, erinnert er sich. „Doch dann konnte ich mich aus der Armklammer nicht mehr befreien und lag plötzlich 0:5 zurück.“ Eine schwierige Ausgangslage, denn mit diesem Rückstand war klar: Nur ein grosser Wurf oder mehrere Durchdreher würden ihn zurück ins Geschehen bringen. Genau das gelang. „Mein Ziel war drei Durchdreher – und die habe ich bekommen. Danach konnte ich den Kampf souverän beenden.“

Im kleinen Finale gegen den Kroaten Karlo Kodrić fehlte dann das letzte Quäntchen. „Ich wollte unbedingt eine Bodenlage erzwingen, aber das ist mir nicht gelungen“, so Betschart. „Vielleicht hätte ich im Stand noch mehr Druck machen müssen. Am Ende war es schade, so knapp an der Medaille vorbeizugehen.“

Dennoch blickt er mit gemischten Gefühlen zurück: „Platz fünf ist ein undankbares Resultat. Mein Ziel war ein Top-10-Rang, das habe ich erreicht. Gleichzeitig war die Medaille so nah – das tut weh.“
Für Betschart markiert das Turnier zugleich einen Wendepunkt. „Im Oktober beginne ich meine Ausbildung bei der Polizei. Ich werde noch in der Liga für Kriessern antreten und auch wieder mehr schwingen. Aber meine internationale Ringerkarriere beende ich jetzt. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt – darauf freue ich mich.“

Samuel Scherrer: „Die Medaillen sind nicht weit weg“

Samuel Scherrer bereitete sich auf jeden Gegner gezielt vor: „Wir analysieren die Gegner im Vorfeld per Video. Jeder Kampf braucht einen eigenen Plan – mit derselben Taktik gegen alle anzutreten, funktioniert nicht.“

Zum Auftakt gegen den Kanadier ging der Plan voll auf. „Ich hatte ihn im Stand unter Kontrolle und konnte auf eine Konterchance warten. Genau so haben wir es uns vorgestellt – ein sicherer Sieg.“
Anders im Duell mit dem US-Amerikaner Trent Hidlay, der für seine Explosivität im „Underhook“ bekannt ist. „Eigentlich mag ich diese Position selbst, aber er hat sie unglaublich kraftvoll umgesetzt. Das hat mich überrascht. Ich musste erkennen: Gegen ihn kann ich meine Stärke dort nicht durchsetzen, sondern muss seine Power für Konter nutzen.“

Am Ende stand Scherrer auf Rang sieben – trotz erschwerter Vorbereitung nach einer Mittelhand-Operation. „Technisch fehlt vielleicht noch etwas, aber ich habe gesehen, dass die Medaillen nicht weit weg sind. Das bestätigt mir, dass ich es schaffen kann.“
In den kommenden Wochen liegt der Fokus auf der Arbeit auf der Matte. „Ich möchte auch ein, zwei Kilo zulegen. In der 92-Kilo-Klasse liege ich eher am unteren Ende – da kann ich physisch noch zulegen.“

Nationaltrainer Alain Hassli: „Die Haltung der Athleten macht Mut“

Für Nationaltrainer Alain Hassli war die Einstellung seiner Mannschaft ein positiver Aspekt des Turniers. „Die Stimmung im Team war durchweg gut. Man spürt, wie die Athleten sich stärker einbringen, echten Zusammenhalt zeigen und in ihrer Wettkampfeinstellung Fortschritte machen. Das stimmt zuversichtlich.“

In den Pausen sei es wichtig, die Athleten wieder auf den Punkt zu bringen – unabhängig vom Rückstand. „Zuerst geht es darum, Ruhe und Klarheit herzustellen. Dann gebe ich ein oder zwei konkrete Hinweise – technisch oder taktisch. Etwas, das der Athlet sofort umsetzen kann. Mehr braucht es in solchen Momenten nicht.“

Nationaltrainer Gergely Gyurits: „Nichts ist unmöglich“

Nationaltrainer Gergely Gyurits sieht die Leistungen der Schweizer trotz starker Gegner positiv. „Die Vorbereitung war nicht perfekt, das ist im Ringen fast nie der Fall. Aber am Wettkampftag waren alle in guter Verfassung.“ Besonders in den unteren Gewichtsklassen sei das Niveau extrem hoch.

So verpasste Thomas in der 57-kg-Klasse nur knapp einen Überraschungserfolg gegen einen Iraner. „Bis zur letzten Minute lag er vorn, dann unterlief ihm ein Fehler“, berichtet Gyurits. Auch Nils (61 kg) und Nino (65 kg) scheiterten an späteren Medaillengewinnern. „Das sind die schwersten Niederlagen – wenn man keine Chance hat, sich freizuraufen. Aber auch daraus müssen sie Motivation ziehen.“

In der 92-kg-Klasse überzeugte Samuel Scherrer mit Siegen gegen starke Gegner und kämpfte sich bis auf Rang sieben vor. „Er hatte sich erst kürzlich an der Hand operieren lassen, wollte aber unbedingt bei der WM starten. Er war gut vorbereitet, hat stark gerungen und gezeigt, dass nichts unmöglich ist. Dieser 7. Platz ist eine sehr respektable Leistung.“

Für die Zukunft zieht Gyurits klare Schlüsse: „Wir brauchen mehr Trainingslager, vor allem im Osten, um diese Reize regelmässig zu haben. Und entscheidend ist das Vertrauen zwischen Athleten und Trainern – das ist bei uns auf einem sehr hohen Niveau.“

Bilderquellen: @unitedworldwrestling / @kadircaliskan