Im Interview mit Svenja Jungo über ihre Bronze an der U23-Europameisterschaft

An der U23-Europameisterschaft in Zrenjanin (SRB) sicherte sich Svenja Jungo die Bronzemedaille. Im Anschluss spricht sie über ihren Turnierverlauf, taktische Anpassungen und den emotionalen Moment nach dem entscheidenden Kampf.

Schwieriges Los zum Auftakt

Direkt im ersten Kampf stand dir mit Aida Kerymova eine bekannte Gegnerin gegenüber. Was war diesmal die grösste Herausforderung?

Es ist immer eine Herausforderung, gegen eine Gegnerin zu ringen, die körperlich grösser ist und über längere Hebel verfügt. Sie war zudem sehr stark in der Defensive. Für mich als eher angreifende Athletin ist es schwierig, gegen so einen Stil durchzukommen. Teilweise fiel es mir auch schwer, ruhig zu bleiben und selbst defensiver zu agieren. Letztlich kam mir das etwas zum Verhängnis, da sie vor allem dann punktete, wenn ich angegriffen habe, ohne durchzukommen.


Kontrolle in der Hoffnungsrunde

Im zweiten Kampf hast du nach einem verhaltenen Start klar dominiert. War die defensive Stabilität ein gezielter Trainingsschwerpunkt?

Ja, wir haben in der Vorbereitung bewusst daran gearbeitet, in Führung ruhig und stabil zu ringen. Genau das konnte ich umsetzen. Ich bin im Verlauf des Kampfes besser reingekommen und habe gespürt, was die Gegnerin macht. Da ich sie nicht kannte, war es wichtig, mich zuerst heranzutasten und ihre Stärken einzuschätzen. Ich wusste, dass sie gerne mit Armklammern arbeitet, und konnte mich entsprechend darauf einstellen. Relativ schnell habe ich gemerkt, dass in diesem Kampf mehr möglich ist.

Bronzekampf: Ruhe bewahren

Zur Pause lagst du mit 0:2 zurück. Was hat dir in diesem Moment geholfen?

Die Botschaft war klar: Für genau solche Situationen trainieren wir – um um Medaillen kämpfen zu können. Ich sollte mit Freude und Selbstvertrauen ringen. Ich war gut auf die Gegnerin eingestellt und wusste, dass sie zuerst ruhig, dann sehr aggressiv wird und ihre Angriffe sucht. Darauf war ich vorbereitet, stand tief und konnte ihre Aktionen weitgehend neutralisieren. Entscheidend war, ruhig zu bleiben. Ich wusste, dass sich die Situation auch wieder drehen kann, etwa durch eine Passivität. Am Ende konnte ich den entscheidenden Punkt holen, weil ich geduldig geblieben bin und im richtigen Moment selbst angegriffen habe.

Emotionen nach dem Schlusspfiff

Nach dem Kampf bist du auf die Knie gegangen – was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?

Es war eine grosse Erleichterung und Freude. In solchen Momenten geht einem sehr viel durch den Kopf. Vor allem das Gefühl: «Es ist geschafft.» Gleichzeitig ist es auch der Beweis, dass sich die harte Arbeit lohnt. Es ist ein sehr schöner Moment, wenn sich all das bestätigt, worauf man so lange hingearbeitet hat.